Posted by on 2. April 2013

„Mythos Mount Everest. Ein Berg wird erobert“
Ein Buch von Iris Hadbawnik

Ich weiß nicht mehr genau, zu welchem Zeitpunkt mich der Mount Everest in seinen Bann gezogen hat. Waren es die Bergsteigerfilme, die ich während meiner Kindheit gesehen hatte? Die zahlreichen Bücher von Reinhold Messner und Co., die ich verschlungen habe? Oder die umfangreichen Gespräche mit den unterschiedlichsten Extremsportlern während der Recherchen zu meinem Buch „Bis ans Limit – und darüber hinaus“? Im Nachhinein, kann ich den Beginn, meiner ganz eigenen Begeisterung für diesen Berg nicht mehr nachvollziehen.

Ich spürte jedoch, je länger ich mich mit dem Thema beschäftigte, dass da eine ganz tiefe Sehnsucht in mir existierte. Daher war klar: Einmal in meinem Leben muss ich den höchsten Berg dieser Erde mit eigenen Augen gesehen haben! Ich möchte spüren und erleben, was die Anziehungskraft des 8.850 m hohen Gipfels ausmacht. Jener Berg, der die Menschen weltweit gehörig spaltet. Der auf der einen Seite als Müll- oder Sensations-Berg verschrien ist und doch seit Jahrzehnten Bergsteiger aus aller Welt inspiriert, für seine Besteigung selbst das eigene Leben aufs Spiel zu setzen …

Und dann war es soweit. Im November 2011 machten wir uns auf den Weg nach Nepal zu einer dreiwöchigen Trekkingtour, die uns unter anderem auch ins Everest-Basislager führen sollte. Am achten Tag unserer Trekkingtour, die wir in Jiri, einem Ort etwa 170 km östlich von Kathmandu, starteten, präsentierte sich der Everest das erste Mal in seiner ganzen Herrlichkeit. Nur wenige Höhenmeter oberhalb des quirligen Ortes Namche Bazaar und nach fünf ungemütlichen Regentagen mit dichten Wolken, klarte es für einen Moment zumindest so lange auf, dass wir einen kurzen Blick auf den Berg der Berge erhaschen konnten. Wie soll ich es beschreiben, es war eine Art stille Ehrfurcht, die mich bei seinem Anblick erfüllte. Zugleich hatte dieser Moment auch etwas Unwirkliches: da steht er nun, der Berg, der von den Tibetern „Chomolungma“ genannt wird, was so viel bedeutet wie „Muttergöttin der Erde“ und ich bin so nah dran. So nah, dass ich seine Anziehungskraft förmlich spüren und den Blick lange nicht abwenden konnte. Zumindest so lange, bis sich die Wolkendecke wieder schloss und der Zauber von einer Sekunde zur nächstn vorüber war. Und so fieberte ich dem Tag entgegen, in dem wir endlich das Everest-Basislager, dem nach meinem Empfinden sicherlich magischsten Ort unserer Reise  auf einer Höhe von etwa 5.300 m, erreichen sollten.

Vernunft statt Triumph

Wenige Tage danach sah die Welt plötzlich ganz anders aus. Dick in meinen Daunenschlafsack eingemummelt, lag ich auf meiner dünnen Isomatte, die nur einen geringen Schutz gegen die brettharte Matratze der Lodge in Chukung (4.743 m), bieten konnte. Wir waren nur noch drei Tagesetappen vom Basislager des Everest entfernt und nun haderte ich nach einer durchwachten Nacht, in der mein Herz so schnell und kräftig gegen meinen Brustkorb hämmerte, wie ich es nur von harten Tempoeinheiten beim Laufen kannte, mit meinem Schicksal. Übelkeit, Erbrechen und Appetitlosigkeit führten dazu, dass innerhalb weniger Tage etliche Kilos meines Körpergewichts sprichwörtlich auf der Strecke geblieben sind. Und mit den Kilos fehlte mir auch gleichzeitig die Kraft für einen weiteren Aufstieg. Immerzu schwebte das drohende Unheil der „Höhenkrankheit“ über unseren Köpfen. Waren dies bereits die ersten Anzeichen? Oder hatte mich wirklich „nur“ eine Art Magen-Darm-Geschichte erwischt? Und wie würden sich in diesem Zustand weitere Höhenmeter bemerkbar machen? Bereits auf dem Weg hierher hatten wir etliche Trekker gesehen, die aufgrund der Höhe abtransportiert oder ausgeflogen werden mussten. Sollte mir dies nun auch blühen?

Schweren Herzens geht es an den Abstieg

Nach langem hin und her siegte die Vernunft. Um wieder richtig fit zu werden, blieb mir keine Wahl: Ich musste absteigen. Abstieg hieß aber auch gleichzeitig Verzicht auf den Besuch des Base-Camps, dem Everest ganz nahe zu sein und vom Gipfel des nahe gelegenen Trekkingberges Kala Pattar, einen wunderbaren Anblick auf die steilen Flanken des Berges zu ergattern.

Gesundheit und Vernunft statt Zielerreichung und Triumph. Ich spürte, wie hart es war, an dieser Stelle umkehren zu müssen. Auf einen Traum zu verzichten, um die eigene Gesundheit nicht weiter zu gefährden.

Aber wenn es im „Kleinen“ schon so schmerzhaft und mit bitteren Tränen verbunden war, wie schwer musste es erst sein, wenn man die immensen Kosten und wochenlange Strapazen einer Everest-Expedition in Kauf genommen hat und kurz unterhalb des Gipfels umkehren muss?

Ich wollte dem Everest möglichst nahe sein und bin mit meinem Vorhaben gescheitert. Dennoch habe ich selbst aus der Ferne, die großartige Magie dieses herrschaftlichen Berges gespürt. Ich erlebte seine intensive Anziehungskraft, die nicht nur mich, sondern jährlich Hunderte von Bergsteigern in seinen Bann zieht. Und ganz leise konnte ich es schließlich erahnen, was es heißt, den dringlichen Wunsch zu verspüren, ihn einmal selbst besteigen zu wollen …

Impressionen:

Presseinfo:

Im Mai 2013 waren es 60 Jahre, dass Edmund Hillary und Tenzing Norgay als erste Menschen überhaupt den Mount Everest bestiegen. Auch heute noch zieht der 8.850 Meter hohe Berg Menschen aus aller Welt an – und nicht nur Profisportler. In ihrem opulent bebilderten Buch „Mythos Mount Everest“ porträtiert Autorin Iris Hadbawnik Bergsteiger, die auf dem legendären Gipfel standen – oder an ihm scheiterten.

Da ist zum Beispiel eine Familie aus Österreich, die es erst im zwölften Versuch gemeinsam nach ganz oben schaffte. Oder eine Stuttgarterin, die nach überstandener Krebserkrankung ihren Traum vom Everest verwirklichte. Außerdem sprach die Autorin mit dem Österreicher Helmut Linzbichler, der mit 67 Jahren nicht nur der älteste Europäer ist, der je auf dem Everest stand. Er absolvierte außerdem direkt im Anschluss an seine erfolgreiche Besteigung den Tenzing Hillary Everest Marathon.

Denn der Mount Everest ist nicht nur ein Paradies für Bergsteiger, auch andere Sportler kommen hier voll auf ihre Kosten. Auch davon erzählt Hadbawnik. Sie berichtet von Marathon- und Ultraläufen im Schatten des Everest, traf einen Apnoetaucher, der in den Gokyo-Seen am Fuße des Everest den höchsten Freitauchgang der Welt absolvierte, und sprach mit Stefan Gatt aus Wien, der den Abstieg vom Gipfel mit dem Snowboard bewältigte. Sogar Schwimmer, Radfahrer und Gleitschirmflieger trifft man am Everest.

Darüber hinaus wirft Hadbawnik einen Blick auf die spannende Besteigungsgeschichte, fragt, wieso es auch heute noch zu zahlreichen Todesfällen am Mount Everest kommt, und berichtet von außergewöhnlichen Rekorden. Abschließend gibt es noch praktische Informationen für alle, die selbst mit einer Everest-Besteigung liebäugeln.

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Iris Hadbawnik
Mythos Mount Everest
Ein Berg wird erobert

  • 224 Seiten
  • 13,5 x 21,5 cm
  • Paperback
  • farbige Fotos

ISBN: 978-3730700075
Preis: 19,90€
April 2013
Verlag Die Werkstatt

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Inhalt des Buches:

Vorwort von Kurt Diemberger … 6
Einleitung – Im Bann des Mount Everest …11

Faszination Mount Everest
Die Eroberung des Nutzlosen … 16
Blanke Zahlen, nackte Fakten … 23
Sicherheit versus Todesfälle: Warum sterben Menschen am Everest? … 26
Der Müllberg … 42

Warum ausgerechnet Everest? Eine Besteigungsgeschichte
Der dritte Pol soll fallen: Die Pioniere Mallory und Irvine … 46
Der Bastard wird bezwungen … 60
Frauenpower am Berg … 68
Mit oder ohne Sauerstoff? … 73

Rekordberg Everest
Rekordjägern auf der Spur … 86
Mit dem Fahrrad zum Everest … 87
Ohne Grenzen: Altersrekorde am Everest … 93
Hinunter mit dem Snowboard … 108
Der erste Blinde auf dem Everest … 115
Nepalesische Rekordjäger … 117

Besteigungen heute
Familie Studer: Gemeinsam auf dem Everes … 122
Billi Bierling: Auf dem Weg nach oben kommt keiner an ihr vorbei … 136
Heidi Sand: „Je ausgesetzter, desto besser“ … 148
Jörg von de Fenn: Träume vom Everest … 157
Everest changes lives … 164

Sportlerparadies Mount Everest
Läufer-Träume werden wahr … 172
Atemlos in eisigen Höhen: Apnoetauchen im Gokyo-See … 184
Ein Eisbär im Lake Pumori: Schwimmrekord im Himalaya … 191
Höhenflug in der Todeszone … 194

Wege zum Dach der Welt
Nord- vs. Südroute … 202
Der Weg zum Gipfel ist steinig – und teuer … 207
Die Vorbereitung: Auch die mentale Fitness muss stimmen … 213

Schlusswort – Was bleibt vom Mythos Everest? … 217
Bibliografie … 220
Danksagung … 222
Bildnachweis … 222
Die Autorin … 223

 

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